Rede von Mihai Csabai (Schulsprecher der HAK Auhof)

Finger weg vom Irak!

Einmal angenommen, den FührerInnen der USA ginge es - wie sie ja so oft behaupten - tatsächlich um Massenvernichtungswaffen, wenn sie dem Irak mit Krieg drohen: Wen müssten sie dann zuerst angreifen? Die Vereinigten Staaten von Amerika. Von denen hat Saddam Hussein schließlich die biologischen und
chemischen Massenvernichtungswaffen. Also, worum geht es?

Natürlich geht es auch um Erdöl; davon gibt es in der Region sehr viel, denn die fünf größten Ölvorkommen der Welt liegen in:

  • Saudi-Arabien 261,8 Mrd. Fass

  • Irak 112,5 Mrd. Fass

  • Vereinigte Arabische Emirate 97,8 Mrd. Fass

  • Kuwait 96,5 Mrd. Fass

  • Iran 89,7 Mrd. Fass

Die Ölvorkommen dieser fünf Staaten stellen 3/4 der weltweit zehn größten Erdölvorkommen. Für die amerikanische Wirtschaft geht es also um sehr viel, und sie will anscheinend alles tun, um auch in Zukunft möglichst viele US-amerikanische Truppen in dieser Region stationiert zu haben. Und dabei geht es nicht nur um das "schwarze Gold" alleine. Es soll nun endlich und unmissverständlich das zementiert werden, was George Bush sen. nach dem Zusammenbruch der UdSSR ausrief: die "new world order". Nach dem Feldzug gegen Afghanistan soll mit dem Irak ein weiteres Beispiel dafür gesetzt werden, dass die USA und ihre Mitstreiter ihre Interessen mit allen Mitteln vertreten, egal wie viele dabei draufgehen!

So, wie es im zweiten Golfkrieg 1991 vonstatten ging, wird es aber diesmal nicht sein. Damals, nachdem der Irak Kuwait besetzt hatte, ließen die internationalen Streitkräfte unter der Führung Amerikas in erster Linie Bomben und Raketen hageln, mit dem Ergebnis, dass zigtausende IrakerInnen ihr Leben lassen mussten, Saddam Hussein aber immer noch fest im Sattel saß. Amerikanische Bodentruppen marschierten damals bis vor die Tore der irakischen Hauptstadt und stoppten dann den Einmarsch, weil die Besetzung der Stadt zu viele Verluste auf US-Seite gefordert hätte. Dafür verhandelte man aber einen kurzen Waffenstillstand, damit irakische Einheiten
aufständische Schiiten im Süden des Landes in aller Ruhe mit Giftgas (made in USA) ermorden konnten. Nach dem Abzug der Truppen unter amerikanischer Führung übernahm die UNO das morden, indem sie ein Embargo über den Irak verhängte, das bis heute weit über eine Million Menschen im Irak das Leben gekostet haben dürfte.

Diesmal will der US-Imperialismus Saddam Hussein endgültig demontieren, um dafür irgendwelche Marionetten einzusetzen. Das bedeutet aber auch, dass nach den Bombardements, die zweifelsohne kommen werden, Bodentruppen in Bagdad einmarschieren müssen, was wohl ein Gemetzel auf beiden Seiten bedeuten wird. Und dann?

In Afghanistan hat sich bereits gezeigt, was passieren kann, wenn man die Hauptstadt besetzt: Kabul gehört jetzt zwar einer Marionette in Amerikas Gnaden, der Rest des Landes aber irgendwelchen Stammesfürsten, die ständig irgendwelche Kleinkriege untereinander anzetteln. Ähnliches ist auch im Irak denkbar; wahrscheinlich werden dann nach dem Fall Bagdads irakische Offiziere mit ihren Soldaten im Land herumziehen und alles terrorisieren was größer als ein Sandkorn ist. Und dann sind da ja noch die IrakerInnen selber, die bestimmt nicht so schnell vergessen werden, wer sie bombardiert und beschossen hat und wer sie mittels einer Embargopolitik ausgehungert hat.

Was tun?

Auch wenn die Lage in und um den Irak fürchterlich ist, und der Krieg auch nicht mehr zu verhindern ist, so dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wie Blut für Öl gehandelt wird! Es ist an der Zeit, für den Frieden auf die Straße zu gehen! Am "Tag X", dem Tag, an dem der Angriff auf den Irak beginnt, gehen wir auf die Straße:

  • Gegen den Imperialismus der USA und seiner Verbündeten!

  • Gegen Saddam Hussein!

  • Für das irakische Volk!

  • Für die Friedensbewegungen auf der ganzen Welt!

Rede von Mihai Csabai (Schulsprecher der HAK Auhof), 31.1.2003