Rede von Rosmarie Kaltenbrunner (Vorsitzende von Pax Christi OÖ)

Ich möchte gegen den Krieg im Irak drei Worte setzen, die in der christlichen Tradition eine große Rolle spielen/spielen sollten. Es sind dies der Glaube, die Hoffnung und die Liebe.

Die Liebe, Nächstenliebe also die Achtung und der Respekt zu unseren Mitmenschen sollte unser höchster Wert sein. Die Menschen im Irak sind auch und genauso unsere Mitmenschen. Sie leben in dem selben globalen Dorf wie wir. Sie essen und feiern gern - wie wir, sie lachen und weinen wie wir, sie wollen gut leben und haben Angst vorm Tod, Krieg und Gewalt wie wir. Sie sind nicht das Böse, ein Volk bestehend aus Terroristen und islamischen Fundamentalisten. Dieses Volk soll nicht draufzahlen, weil ihr Machthaber ein Diktator ist unter dem sie selber leiden.

Zum Wort Hoffnung möchte ich einen Satz von der lateinamerikanischen Schriftstellerin Gioconda Belli sagen, die schrieb: Hoffnungslosigkeit ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können. Ich habe jetzt oft gehört, dass es sowieso nichts nutzt, ob man etwas tut gegen die Kriegsvorhaben der USA oder nicht, weil Bush & Co sowieso machen, was sie wollen.

Gioconda Belli, schreibt diesen Satz von Menschen, die sich Hoffnungslosigkeit wirklich nicht leisten können, denn wenn sie aufgeben, dann haben sie am nächsten Tag nichts mehr zu essen und sterben. Und ich frage mich, ob wir es uns leisten können, angesichts so vieler Menschen, denen es schlecht geht, zu sagen: Das bringst sowieso nichts.

Wir haben Angst vor den Giftwaffen Saddam Husseins. Das größte Gift auf unserer Welt ist aber der Hunger. Er ist der Keim von Gewalt und Terrorismus. Solange wir nicht erfolgreich an der Vernichtung dieses Giftes arbeiten - gibt es keinen Frieden.

Und nun noch zum Wort Glauben. Glaube ist eine so schöne, wie gefährliche Sache zugleich. Meinen doch nicht auch der gläubige Methodist George Bush und der Moslem Saddam Hussein „in Gottes Namen“ zu handeln. Religionswissenschafter machen sich schon lange Gedanken, was und wieviel alle Religionen gemeinsam haben. Dabei sind sie auf etwas gestoßen, was man die „goldene Regel“ nennt. D. h. z. B. im Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus stehen als höchste Werte die Gerechtigkeit, der Friede und die Nächstenliebe. Und ich glaube, dass dieser Krieg nicht im Sinne Gottes wäre, sondern er sich ziemlich missverstanden und ausgenutzt fühlen würde.

Rede von Rosmarie Kaltenbrunner (Vorsitzende von Pax Christi OÖ), 31.1.2003