|
Totgesagte leben länger! |
|
|
Die von vielen altklugen Kommentatoren totgesagte Friedensbewegung setzt in Österreich kräftige Lebenszeichen. Die deutliche Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher ist gegen Aufrüstung und Krieg, und immer mehr Menschen erkennen angesichts der fortlaufenden Militarisierung der Politik, dass es notwendig ist, die eigene Kriegsgegnerschaft auch in öffentlichen Manifestationen zum Ausdruck zu bringen. So hat es in den letzten Wochen in vielen österreichischen Orten und Städten Mahnwachen, Diskussionsveranstaltungen, Demonstrationen und Kundgebungen gegeben. Am 15. Februar wird es eine große Demonstration in Wien geben. Bei all diesen Aktivitäten steht nicht nur der Protest gegen die Kriegspläne der Militaristen im Pentagon auf der Tagesordnung, sondern auch die Einbindung Österreichs in Aufrüstung und Krieg durch die hauseigenen Militaristen. Am 31. Jänner 2003 nahmen 1.500 Menschen an einem Fackelzug unter der Losung „Nein zum Krieg! Kein Blut für Öl!“ in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz teil. Boris Lechthaler, Mitarbeiter der Friedenswerkstatt Linz, hielt dabei folgende Rede: Stoppen wir gemeinsam den geplanten Krieg! Die Maschinerie des Krieges schreitet mit unheimlicher Perfektion, immenser Brutalität und Hinterfotzigkeit einher. Dagegen sind wir Menschen hier am Hauptplatz in Linz nur ein Tropfen. Wir bilden einen Tropfen des Protests, der verdampfen würde, wüssten wir nicht, dass wir mit Millionen in Amerika, in Asien, in Afrika, in Europa mit unseren Herzen und Hirnen, in unserem konkreten Handeln verbunden sind. Nicht jene haben die Macht, die heute auf Krieg, Zerstörung und diplomatischen Betrug setzen. Wir haben die Macht, wenn wir bereit sind, ohne gewalttätige Drohgebärden, ohne Verdrehungen und Verrenkungen, laut, klar und entschieden unserer Hoffnung und unserer tätigen Zuversicht auf eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg Ausdruck zu geben. Liebe Freundinnen und Freunde,
wir haben Füße zum Stehen, einen Kopf zum Denken und einen Mund zum Sprechen.
Darum stehen wir hier, wissen und sagen es laut: In diesem Krieg geht es nicht um Demokratie und Menschenrechte.
In diesem Krieg geht es nicht um Massenvernichtungswaffen. Im Widerspruch zum Willen der Mehrheit der Menschen in Österreich verhalten sich die Eliten in Österreich als imperialistische Trittbrettfahrer. Überall dort, wo die US-Militärmaschinerie alles kurz und klein geschlagen hat, werden unter der Führung Berlins österreichische Soldaten stationiert. In der Zwischenzeit genügt ein kurzer Anruf aus Berlin, um österreichisches Kriegsgerät und österreische SoldatInnen anzufordern. Dies war bis vor kurzem in Afghanistan so, dass ist bei SFOR, KFOR in Jugoslawien so und wird, wenn wir es nicht verhindern bei „Amber Fox“ in Mazedonien so sein. Und wenn wir nicht aufpassen, wenn wir angesichts der US-Militärmaschinerie den hausgemachten Militarismus aus dem Auge verlieren, dann werden wir mit unserem Friedensengagement die gleiche Mechanik in der Nahostregion befördern. Wir haben ein Herz zum Fühlen und Hände, die wir allen Menschen auf der Welt reichen können, die in Not geraten sind.
Wir haben Füße zum aufrecht Stehen, einen Kopf zum Denken und einen Mund zum Sprechen. Deshalb stehen wir hier und werden nicht müde, die Wahrheit laut und deutlich zu sagen.
Wir haben aber auch eine Republik und wir werden nicht müde werden, darum zu kämpfen, Liebe Freundinnen und Freunde, heute vor 60 Jahren kapitulierte der erste Teil der 6. Armee im Kessel von Stalingrad. Über 2 Millionen Menschen sind bei den Kämpfen in und um Stalingrad getötet worden. Von 50.000 Österreichern mussten fast 49.000 für die Teilnahme am imperialistischen Raubzug Deutschlands in Stalingrad ihr Leben lassen. Der „Völkische Beobachter“ titelte damals: „In Stalingrad gestorben, damit Deutschland lebt!“ Die malträtierten Männer in Stalingrad hatten für diesen verlogenen Heroismus nichts mehr über. In einem Feldpostbrief heißt es: „Wann und wie kommt die Erlösung? Ist es der Tod durch die Bombe oder Granate? Ist es Krankheit oder Siechtum? Wie kann ein Mensch dies bloß alles ertragen?“ Und ein anderer Feldpostbrief endet mit den Worten: „Sowas zu erleben hätte ich nicht geglaubt und meine Gesinnung: Nie wieder Krieg!“ Heute, 60 Jahre später sagt der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt!“ Warum will unsere Bundesregierung, wollen die Führungen der Sozialdemokratie und der Grünen, wieder Österreicherinnen und Österreich an der Seite des deutschen Imperialismus in Kriege führen? Wir wissen es. Es ist ihr eigenes parasitäres Interesse an der Aufrechterhaltung einer Ordnung der Ausbeutung, dass sie an die Seite der Kriegstreiber führt. Liebe Freundinnen und Freunde,
es ist unsere Pflicht, den Ruf der krepierenden Soldaten von vor 60 Jahren Ernst zu nehmen:
„Nie wieder Krieg!“ Rede von Boris Lechthaler (Friedenswerkstatt Linz), 31.1.2003 |
|